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Turner heute im Mannschaftsfinale
noch mal für Ronny
16.08.04
Heute Abend ab 20 Uhr Ortszeit steht die deutsche Turnnationalmannschaft der Männer im Mannschaftsfinale der besten acht Nationen. Mit einer starken kämpferischen Leistung durch die Motivation für ihren verunglückten Teamkameraden Ronny Ziesmer und einem um 7 Punkte besseren Resultat gegenüber der WM 2003 verdrängten sie gar die Franzosen, Spanier, Kanadier und Italiener aus der Endrunde.
Favoriten für den Olympiasieg sind Japan, China und USA; im Finale stehen weiterhin die Europameister Rumänien, die Ukraine, Russland und Korea.
Robert Juckel: "Alles, was jetzt kommt ist Zugabe, nach diesem Befreiungsschlag wird es ein freies Aufturnen, dann werden wir sehen, was dabei herauskommt ! Wir werden es genießen und nochmals für Ronny alles geben !"
Kleines oder gar großes „Wunder“
Deutsche Riege im Finale
15.08.04
Der Trainer schlug sich an den Kopf, die Jungs brüllten die Freude aus sich heraus, nur der Jüngste blieb cool: Die deutschen Turner haben den kaum für möglich gehaltenen Einzug in das Team-Finale wie einen Olympiasieg gefeiert. Als Turn-Floh Fabian Hambüchen mit seiner risikoreichen Bodenübung (9,637) das kleine Wunder perfekt gemacht hatte, wanderten die Gedanken der Männer aber sofort zu ihrem nach einem Trainingsunfall vom Schicksal so schwer gezeichneten Gefährten Ronny Ziesmer: Sie holten eine Deutschland- Fahne mit der Aufschrift „für Ronny“ heraus und schwenkten sie zu den deutschen Fans.
„Wir hatten uns alle geschworen, für Ronny zu kämpfen“ „Das war der geilste Wettkampf meiner Karriere“, meinte Hambüchen, der sich auch mit dem Einzug in das Reck-Finale der besten acht einen Traum erfüllte und zudem als 21. der Einzelwertung wie der Hannoveraner Sergej Pfeifer (23.) das Mehrkampf-Finale erreichte. „Wir hatten uns alle geschworen, für Ronny zu kämpfen“, fügte der mit 16 Jahren jüngste Turner der Olympia-Geschichte hinzu. Ziesmer, der die Wettkämpfe im Unfallkrankenhaus Berlin per Digital-Fernsehen verfolgte, war von der Leistung seiner Gefährten überwältigt. „Sensationell, Klasse gemacht, phänomenal - ich habe keine Worte“, teilte der querschnittsgelähmte Cottbuser via Internet mit. „Das ging ganz tief ins Herz.“ Auch Cheftrainer Andreas Hirsch, der die Truppe im Tal der Tränen (WM-Platz 12) übernahm, konnte strahlen: „Fabi hat am Boden voll auf Risiko gesetzt, dafür sind wir belohnt worden. Ein Traum ist wahr geworden, und das trotz der prekären Situation um Ronny“. Viel hatte der Berliner in den zurückliegenden Wochen für die Psyche seiner Jungs tun müssen. Von einem „unbeschreiblichen Wahnsinn“ sprach daher auch Mehrkampfmeister Thomas Andergassen (Stuttgart), der am Seitpferd die beste Übung seines Lebens absolvierte und mit 9,712 Zählern das Finale als Zehnter haarscharf um 0,025 Punkte verpasste.
Absturz verhindert: Mit Platz acht, der im Finale mit nur drei Turnern pro Team an jedem Gerät vielleicht sogar noch verbessert werden könnte, haben die Männer den Absturz des DTB in die Keller-Kategorie der deutschen Sportförderung verhindert. „Das war viel mehr als erwartet. Diese Leistung gibt Mut für die Zukunft, für die WM 2007 im eigenen Land. Fabians Finaleinzug am Reck war das Sahnehäubchen“, genoß auch DTB- Präsident Rainer Brechtken die Freude des Augenblicks. In der Stunde der Entscheidung verbuchte das Team immerhin reichlich sieben Punkte mehr als bei der WM 2003, als nur Platz 12 herausgesprungen war. „Mir ist eine Kipplaster-Ladung Steine vom Herzen gefallen. Jeder weiß, daß im deutschen Sport im Herbst die Stühle gerückt werden. Mit dieser überdimensionalen Leistung haben wir jetzt gute Argumente“, meinte Sportdirektor Wolfgang Willam.
Auch die deutschen Frauen verkauften sich respektabel. Lisa Brüggemann und Yvonne Musik turnten ihre Vierkämpfe durch und rechtfertigten ihre Nominierung. „Das war ein tolles Erlebnis. Ich bin zufrieden“, schwärmte die Kölnerin, die mit 35,799 Punkten nach der ersten von vier Gruppen auf Rang zehn lag und noch geringe Chancen auf den Einzug ins Mehrkampffinale hatte. Yvonne Musik litt unter den Folgen einer Fersenverletzung und kam auf 35,611 Zähler.
(dpa)
Für den Freund
Die deutschen Turner widmen den Finaleinzug im Mehrkampf dem verunglückten Ronny Ziesmer
15.08.04
Am Ende holten die deutschen Turner eine Fahne heraus, die sie in die Olympiahalle von Athen mitgebracht hatten. Sie liefen zu den deutschen Fans und schwenkten das schwarz-rot-goldene Tuch. Auf die Fahne hatten sie geschrieben: „Für Ronny“.

Ronny Ziesmer, der nach seinem Trainingsunfall in der Olympiavorbereitung querschnittgelähmt bleiben wird, widmeten die deutschen Turner einen überraschenden Erfolg. „Wir hatten uns geschworen, für ihn zu kämpfen“, sagte Fabian Hambüchen. Es ist ihnen gelungen. Die Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) qualifizierte sich im Mannschafts-Mehrkampf mit Rang acht (226,980 Punkte) überraschend für das heutige Finale (ab 19.30 Uhr). Besonders bejubelten die Trainer die Leistung von Fabian Hambüchen, der als 21. in das Mehrkampffinale einzog und am Reck sogar das Finale der besten Acht erreichte. „Das war der geilste Wettkampf meiner Karriere“, sagte Fabian Hambüchen. Die dauert übrigens noch gar nicht so lange, der kleine Turner aus Wetzlar ist erst 16 Jahre alt.
Ronny Ziesmer hatte den Wettkampf seiner Teamkameraden im Unfallkrankenhaus Berlin per Digitalfernsehen verfolgt. „Sensationell, klasse gemacht, phänomenal“, soll er laut der Internetseite „gymmedia.de“ gesagt haben. Nach seiner tragischen Verletzung hatte Bundestrainer Andreas Hirsch sein Team umbesetzen müssen. Er nahm Mathias Fahrig in das Team und ließ Fabian Hambüchen an allen sechs Geräten turnen. Eigentlich zählen das Pauschenpferd und die Ringe noch zu Fabian Hambüchens Schwächen. Doch am Samstag turnte der 1,57 Meter kleine Schüler einen fehlerlosen Wettkampf. „Prima“, sagte sein Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen abgeklärt: „Dafür haben wir zehn Jahre lang trainiert.“
Beinahe wären die deutschen Turner gar nicht zu den Olympischen Spielen nach Athen gefahren. Nach dem schrecklichen Trainingsunfall im Olympiastützpunkt Kienbaum, hatten sie überlegt, ihre Teilnahme in Athen abzusagen. „Doch dann haben sie gesagt: Bei allem Elend – wir wollen zu Olympia“, berichtet Wolfgang Hambüchen. Die Mannschaft ist seitdem eng zusammengerückt. Es half dem Team beim Wettkampf am Samstag offensichtlich. „Es ist psychologisch besser, wenn man nicht für sich kämpft, sondern ein übergeordnetes Ziel hat“, sagt Wolfgang Hambüchen. Mit ihren überraschenden Erfolgen können die Turner Ronny Ziesmer auch finanziell helfen. Fabian Hambüchen nutzte bereits einen Auftritt im ZDF-Sportstudio, um auf das Spendenkonto für seinen schwerverletzten Teamkameraden aufmerksam zu machen.
Für den Deutschen Turnerbund ist das Erreichen der besten Acht sehr wichtig, um weiterhin die größtmögliche finanzielle Förderung zu erhalten. „Jeder weiß, dass im deutschen Sport im Herbst die Stühle gerückt werden“, sagte Sportdirektor Wolfgang Willam, „mit dieser überdimensionalen Leistung haben wir gute Argumente.“ Doch der finanzielle Aspekt interessiert Trainer Hambüchen nicht allein. „Wichtig war, dass die Jungs ihren Wettkampf ohne Fehler hinbekommen haben.“
Im morgigen Mehrkampffinale kann die deutsche Mannschaft nun ziemlich befreit turnen. Unter Druck ist sie nicht. Eine bessere Platzierung als Rang sechs ist allerdings für das deutsche Team eher unwahrscheinlich. „Sie können nur gewinnen“, sagt Wolfgang Hambüchen. Sein Sohn, so glaubt der Vater, könnte im Einzel-Mehrkampffinale am Mittwoch um Rang 20 landen. Aber es gibt ja noch das Reckfinale. „Da wird es spannend“, sagt Wolfgang Hambüchen.
Und falls sein Sohn Fabian sogar eine Medaille holt, dann wird sie auch Ronny Ziesmer gehören.
(source:Tagesspiegel)
... das ging ganz ganz tief ins Herz!
Ronny ZIESMER als "digitaler Beobachter" aus Berlin - "Danke Jungs"
14.08.04
"Sensationell, Klasse gemacht... phänomenal... ich hab' keine Worte... !
Was die Jungs da geschafft haben, also, ich bin fassungslos....!
Das kann unserer Sportart im Lande, und allen, die sie lieben und mögen nur gut tun! Auch wenn ich jetzt nicht direkt in Athen dabei sein konnte: Es hat doch etwas gebracht, sich so sehr anzustrengen und hart zu arbeiten, da hat sich schon jetzt die ganze Mühe gelohnt... schöne Bilder habe ich da auf dem Bildschirm gesehen.... als die Jungs schrien, sich umarmten und froh war'n...das ging ganz tief ins Herz! ...Ich ... ich freue mich ... sehr!.... und ich gratuliere Euch, Männer. Danke!"
Ronny Ziesmer grüßt das Team in Athen
Ronny Ziesmer mit dem olympischen Geschehen dicht verbunden....
14.08.04
... und kommentiert in Olympiakleidung im Internet - digital


Einen Monat nach dem schweren Sportunfall des Cottbuser Olympiaturners Ronny Ziesmer wird nun "seine" deutsche Olympiaturnriege heute abend in Athen den Mannschaftskampf bestreiten. In Gedanken ist der 25-Jährige natürlich bei seiner Truppe. Die Agentur GYMmedia und der Saturnmarkt am Berliner Alexanderplatz haben sein Krankenzimmer im Berliner Unfallkrankenhaus mit entsprechender Technik ausgestattet und Ronny gibt über Internet Olympia-Kommentare....
Ronny stehen durch engagierte Freunde, Partner und Sponsoren auch alle vier digitalen ARD/ZDF-Kanälen des Olympiageschehen zur Verfügung...

... via Internet schickte er zunächst eine Botschaft an sein Team, in dem er selbst gern gestanden hätte:
“Beste Grüße aus dem fernen Deutschland, Jungs! Ich werde also nicht nur in Gedanken bei Euch sein, wenn ihr auf dem Podium steht, sondern ich schaue mir natürlich alle Übungen genau an. Die Technik macht's möglich. GYMmedia und SATURN Berlin haben mir hier in meinem Zimmer die 4 digitalen Olympiakanäle eingerichtet und da läuft Olympia satt, auch Turnen!
Turnt einfach Euer Zeug, ich weiß, ihr habt Euch bestens vorbereitet.
Matthias (Fahrig), der nun für mich in die Spur musste, soll an Sprung und Boden einfach die Beine hinstellen, ich weiß, das hat der Junge drauf!
Und Robert (Juckel) soll alles zeigen, was er kann, und ich weiß, das ist ne ganze Menge, mehr als er manchmal selber glaubt.
“Kwitschi“, der alte Hase (Sven Kwiatkowski), muss vor allem seine Routine ausspielen. Der hat mich oft verblüfft, wenn er sich im Wettkampf immer wieder gesteigert hatte.
Unser Jüngster, Fabian Hambüchen, wird sicher auch dann die Nerven behalten bei seiner Olympiapremiere, wenn mal was „in die Hose“ geht – nicht schlimm, denn am Ende der 6 Geräte wird abgerechnet.
Thomas (Andergassen) soll einfach nicht so viel grübeln, sondern soll alles zeigen was er kann und wenn Sergej (Pfeifer) mit all dem auftritt, was er in den letzten Vorbereitungswochen gezeigt hat, dann wird’s laufen.

Ich ziehe mir hier extra "zur Feier des Tages" die Olympiakleidung an und schaue Euch zu – die Technik macht’s eben möglich. Natürlich wäre ich lieber selber mit auf dem Podium, aber ..... ihr macht das schon und das Finale der besten Acht, das traue ich Euch zu!
Euer Ronny aus Berlin"
(source:gymmedia)
Unser Mann in Athen
"Ich will etwas zurückgeben"
13.08.04
In Cottbus aufgewachsen und von Anfang an beim SC Cottbus behutsam entwickelt und zu sportlichen Ehren gekommen, stand Robert Juckel, damals 20 Jahre jung 2003 vor der Entscheidung, seinen Lebensmittelpunkt im Zuge der Zentralisierungsmaßnahmen des DTB in Richtung Athen an einen der beiden DTB-Stützpunkte (Berlin/Stuttgart) zu verlegen, um in größeren Trainingsgruppen zu trainieren. Gerade in dieser trainingsintensiven Sportart Turnen, die täglich zwei bis drei Trainingseinheiten abverlangt und kaum Freizeit zulässt, sind Leistungsverbesserungen überwiegend nur durch permanentes, gemeinsames Training möglich.
Natürlich muss es auch Ausnahmen geben, doch sind diese nicht die Regel ! Robert bereut den Schritt bisher nicht, seinen momentanen Lebensmittelpunkt nach Stuttgart verlegt zu haben. Für ihn ist wichtig, in der Gruppe, zu denen neben den anderen Top-Turnern auch noch eine Reihe von Nachwuchsathleten gehören, ein gutes Hochleistungsklima vorzufinden. Demzufolge bewertet er auch die Zusammenarbeit, wie auch den Zusammenhalt als äußerst positiv.
Inzwischen zählt das „Ländle“ zu so etwas wie seiner zweiten Heimat. Er wohnt etwas außerhalb der Stadt in Fellbach- Schmiden. Die kurzen Fahrten zum Training (8 km) machen ihm wenig aus. Vielmehr plagt ihn ein wenig die monatliche Pendelei nach Cottbus. Für ihn ist es schwierig, günstige Flugmöglichkeiten in Anspruch zu nehmen, da diese auf Wochen im Voraus zu buchen sind, da der eigene Trainingsplan nach den aktuellen physischen Voraussetzungen, somit variierbar, gestaltet sein muss. Robert, der seit seinem Abitur ausschließlich Turner und Angehöriger der Bundeswehr Sportfördergruppe ist, macht sich natürlich auch Gedanken, wie es mit ihm, spätestens nach der Weltmeisterschaft 2007 in Stuttgart weitergehen soll. Er strebt eine Berufsausbildung in Verbindung mit einem Berufsakademie-Abschluss an. Dies sollte dann wohl auch möglich sein, denn Robert wird ganz sicher eine zuverlässiger, stresswiderstandsfähiger Mitarbeiter sein !
Robert gefällt´s im „Ländle“, zumal auch die OSP- Betreuungsmöglichkeiten Physiotherapie und die sportmedizinische Betreuung im allernächsten Umfeld stattfinden können. So ist er Stammgast in der Physiotherapie und auch beim OSP- Orthopäden Daniel Wagner, den er besonders schätzt.
Bleibt nur noch zu wünschen dass sich seine Ziele verwirklichen, die er mit einem Finalplatz im Mannschaftswettbewerb (Platz 8) in Athen zusammenfasst.

Der Cottbuser Turner Robert Juckel macht gegenwärtig eine besonders schwere Zeit durch, denn dieses Ziel verfolgte auch sein Mannschaftskamerad Ronny Ziesmer. Nach dessen dramatischen Trainingsunfall steht sein Traum, de Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen, plötzlich in einem völlig anderen Licht. Gerade deshalb will sich der 22-Jährige “richtig reinhängen“. "Dies wird nach Ronny's Ausfall unglaublich schwer, doch wir werden alles geben und kämpfen bis zum umfallen" sagt Juckel, mit dem Hinweis auf Ronny's Botschaft „Gas zu geben“ und „die ‚Arschbacken’ zusammenzukneifen“. Juckel weiß, dass er als Einzelstarter in Athen nur eine Außerseiterchance hat, um überhaupt das Finale zu erreichen. “Es gibt einfach zu viele Spezialisten an den einzelnen Geräten”, erklärt der Athlet. Auf die Frage, wie es nach Athen mit seiner Karriere weitergeht antwortet Robert Juckel: “Natürlich macht man sich in dieser schwierigen Situation Gedanken um ein Karriereende ! Aber ich denke, dass für mich dies alles eine große Herausforderung ist und die WM 2007 in Stuttgart und Olympia 2008 wären noch einmal große Ziele … und in Cottbus braucht man mich jetzt auch mehr denn je: Ich will etwas zurückgeben !”
(µ)
Was ist wirklich bedeutsam
Ziesmer in Reha mit ganzer Kraft
13.08.04
Ronny Ziesmer liegt im Unfallkrankenhaus Berlin. Seit einem Trainingsunfall am 12. Juli ist der 25-jährige für Olympia nominierte Kunstturner vom Hals abwärts querschnittgelähmt. Ronny Ziesmer ist doch in Athen. In den Köpfen seiner sechs Teamkollegen, die den Schock über den tragischen Unfall am Samstag mit in den olympischen Wettkampf nehmen.
Öffentliches Training in der Olympic Indoor Hall. Fabian Hambüchen, mit 16 Jahren der jüngste deutsche Olympiateilnehmer, streckt sich, geht in maximale Körperspannung, hält sich für seine Bodenübung bereit. "Fabian wird hier der Publikumsliebling", sagt Wolfgang Willam, der Pressesprecher des Deutschen Turn-Bundes, "weil er wie ein Wiesel über die Fläche heizt." Und dann legt der 1,58 Meter große Turn-Floh los. Das Publikum ist begeistert. "Sehen Sie? Die Zuschauer sind aufgewacht, obwohl sie schon zwei Stunden in der Halle sind", fühlt sich Willam bestätigt.
Das deutsche Kunstturn-Team bemüht sich, die Gedanken an Ziesmers schrecklichen Unfall zu verdrängen. "Wir sind uns alle einig, dass es uns nicht gut tut, wenn wir uns zu sehr mit der Geschichte beschäftigen", sagt das kleine große Talent Hambüchen.
Die beiden Jüngsten, der 18-jährige Matthias Fahrig und Hambüchen, haben die "Geschichte" am besten verarbeitet. Doch Ziesmers beste Freunde, Thomas Andergassen und Robert Juckel, haben an Ziesmers Schicksal arg zu knabbern. Das Unglück hat so sehr seine Spuren hinterlassen, dass Andergassen in Athen beim Sprung nicht an den Start gehen wird. Verständlich, weil Andergassen wie Ziesmer den Tsukahara-Doppelsalto turnen wollte. Bei dieser Übung stürzte Ziesmer so schwer, dass er sich die Halswirbelsäule und das Rückenmark verletzte. Auch Juckel zieht Konsequenzen, er wird bei seiner Bodenübung nach dem eineinhalbfachen Salto nicht über den Nacken abrollen.
Den deutschen Kunstturnern geben die neuesten Nachrichten aus der Berliner Spezialklinik Kraft. Ziesmer kann schon im Rollstuhl sitzen und sogar seinen linken Arm so weit bewegen, dass er ein Handy mit Freisprecheinrichtung benutzen kann. Am Samstag wird er vor dem Fernseher sitzen und den Auftritt seiner Teamkollegen verfolgen. "Er hat uns gesagt, dass er das T-Shirt mit unseren Unterschriften, das wir ihm nach Berlin geschickt haben, anziehen wird", erzählt Pressesprecher Willam.
Ronny Ziesmer ist ein Kämpfer. So wie er früher eine Turnübung mühsam erarbeitete, legt er jetzt seine ganze Kraft in die Reha-Maßnahmen. "Ronny verkörpert das Gegenteil von Aufgeben (Foto). Das fasziniert mich", sagt Andreas Hirsch. Der deutsche Cheftrainer will hier nicht viel über den Unfall sprechen. Der 46-Jährige stand bei dem schlimmen Unfall neben dem Gerät. Atemlos vor Schreck. Fassungslos vor Entsetzen. Sein ganzes Leben war aus den Bahnen geraten. Hirsch stellte seine gesamte Arbeit in Frage. Hatte es denn wirklich noch Sinn, sich um das Turnen zu kümmern? Als er kurz danach zum Friseur musste, sagte er im Salon nur, "schneiden Sie, wie Sie wollen, das ist nicht mehr wichtig".
Seine Turner haben ihm geholfen, mit dem Vorfall besser klarzukommen. Und als Ziesmer selbst davon sprach, sie sollten weiter arbeiten, auch für ihn selbst, ging Hirsch mit seinen Jungs wieder an die Geräte. Psychologe Dr. Hans-Dieter Hermann führte stundenlange Einzelgespräche, um die Blockade in den Köpfen zu lösen. Hirsch will sich hier in Athen nicht ablenken lassen, weiß aber ganz genau, wohin sein Weg am 27. August nach der Rückkehr in Berlin führen wird: "Ich fahre sofort zu Ronny ins Krankenhaus."
Jetzt will er sich aber erst einmal ganz auf die olympische Aufgabe konzentrieren. Auch ohne Ronny wollen sie den angestrebten Platz acht erreichen. Auch für Ronny. Ein kleines Problem gibt es noch: Fabian Hambüchens Kontaktlinsen sind kaputt gegangen und die neuen sitzen nicht richtig. Cheftrainer Hirsch wird nicht in Panik geraten. "Die Relationen haben sich durch Ronnys Unfall verändert", sagte er nach Ziesmers Unfall. "Sport ist wunderbar, man misst sich gern mit anderen, aber was ist wirklich bedeutsam?"
Eine Frage, die sich nicht nur Andreas Hirsch immer wieder stellen sollte. Was ist wirklich bedeutsam?
(source: waz)
Ronny - ein Vorbild für die gesamte Riege
Deutsche Turner wollen für Ziesmer "Gas geben"
12.08.04
Aufwärmen, auflockern, Übung auf dem Podium absolvieren - für die deutschen Olympiaturner zwei Tage vor ihrem Mannschafts-Wettkampf Alltag im Training. Eine sehr willkommene Abwechslung, die nach zwei Stunden schlagartig zu Ende ist. Die deutsche Turner-Riege verlässt mit ernsten Gesichtern die Olympia-Halle, die Erinnerungen werden wieder wach.

Unfall im Kopf
Anzeige Seit dem 13. Juli ist nichts mehr wie es war bei den deutschen Geräteartisten, der tragische Trainingsunfall ihres Teamkollegen Ronny Ziesmer hat einen Großteil der Vorfreude auf die Spiele von Athen genommen. "Wir versuchen, nicht zu viel an uns herankommen zu lassen", sagt Cheftrainer Andreas Hirsch und zuckt dabei fast unmerklich mit den Schultern. Doch niemand kann die brutale Wahrheit ausblenden, dass der 25-Jährige aus Cottbus seit seinem missglückten Sprung in der Sportschule Kienbaum vom Hals abwärts gelähmt ist.

Balance zwischen Verdrängen und Kontakt
Die Athleten, so hoffen sie, haben die Balance zwischen dem Kontakt zu Ziesmer und dem Verdrängen der Tragödie gefunden. "Als Ronny Geburtstag hatte, haben wir alle mit ihm telefoniert", berichtet sein Vereinskollege Robert Juckel, dank einer speziellen Freisprecheinrichtung kann Ziesmer auf diese Weise Kontakt mit der Außenwelt halten. Bei diesen Gesprächen soll es vorerst bleiben, Hirsch hat jedoch versprochen, früher als geplant nach Berlin zurückzukehren und seinen Ex-Schützling dort im Krankenhaus zu besuchen.

Neue Nachrichten über den Zustand des Lausitzers gelangen via Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB), zu den Athleten. Und da gibt es sogar positive Neuigkeiten. Willam: "Bei meinem letzten Besuch in der vergangenen Woche konnte Ronny mit Stützhilfe schon im Rollstuhl sitzen. Sein Rückenmark ist gequetscht, nicht völlig unterbrochen. Er kämpft bewundernswert, ein Vorbild für die gesamte Riege."

Team-Benjamin Fabian Hambüchen, der im Oktober erst 17 Jahre alt wird, kann noch am unbefangensten mit der schwierigen Situation umgehen. "Ronny hat am Telefon gesagt, wir sollen Gas geben, und das werden wir auch tun, speziell für ihn", erzählt der dreifache Junioren-Europameister, der sich nach dem Ausfall Ziesmers einer erweiterten sportlichen Herausforderung stellen muss. Als Neuling war er eigentlich nur für den Einsatz an drei Geräten vorgesehen, jetzt lässt Hirsch ihn einen kompletten Sechskampf turnen.

Andergassen streicht Unglückssprung
Am Schwersten tut sich Thomas Andergassen mit dem Verarbeiten des Unglücks. Der Stuttgarter, im Verlauf seiner Karriere selbst mehrfach von langwierigen Verletzungen aus der Bahn geworfen, hat daher auch für sich selbst eine Konsequenz gezogen. Er nahm den Tsukahara (Sprung mit halber Drehung und Doppelsalto rückwärts), der seinem Kameraden zum Verhängnis wurde, aus seinem Programm...
(source: yahoo)
Die Favoriten zeichneten sich ab...
Deutsche Jungs turnen voll für Ronny Ziesmer!
12.08.04
Obwohl man nach Betrachten aller 12 Mannschaften des bevorstehenden Olympischen Turniers der Männer keinen absoluten Goldaspiranten für den Mannschaftssieg ausmachen konnte - die Teams mit echten Medaillenabitionen zeichneten sich schon ab:
Es sind dies natürlich Weltmeister und Olympiasieger China, Japan in sehr guter, geschlossener Verfassung, die USA, Rumänien und die Ukraine (mit Roman Zozulya).
Obwohl für viele Beobachter hier in Athen der Geheimtipp für den Sieg - so richtig konnten die Chinesen zunächst nur an Pauschenpferd und am Sprungtisch überzeugen, aber noch waren ja längst nicht alle Karten beim Podiumsdurchgang aufgedeckt...

Die Team-Finalaspiranten...
Vielleicht kann man dann die Mannschaften Russlands, Koreas und Frankreichs in eine zweite Leistungsgruppe einordnen, also jene Mannschaften, die echte Aussichten auf das Erreichen der Finalrunde der besten Acht hätten... aber da könnten die Grenzen durchaus fließend sein, auch wenn man zunächst in einem dritten Teamprofil Deutschland, Kanada, Italien und Spanien einordnet...

Die Auffassungen, wie man bei Olympia den Podiumsdurchgang nutzt, waren durchaus unterschiedlich:
Für die Topteams war es wie ein echter Wettkampf, manche - wie die Deutschen - checkten vor allem an Sprung und Barren nochmals die Zeitabläufe inklusive Einturnen - Wettkampf - Gerätoptimierung ab - andere Länder testeten auch nur die Geräteverhältnisse und verzichteten auf komplette Übungsdurchgänge...

DTB-Riege (mit Robert Juckel - Foto) hinterließ einen "abgeklärten" Eindruck, so das Resümeè des deutschen Cheftrainers Andreas Hirsch am späten Mittwochabend: "Ja, auch Außenstehende bescheinigten unserer Truppe einen ziemlich abgeklärten Eindruck. Ich bin mit allem, was hier lief ziemlich zufrieden. Wenn wir annähernd das zum Wettkampf wiederholen, entspricht das schon meinen Vorstellungen, abzüglich der noch kleineren Wackler, am Boden vielleicht und zuzüglich der Verbesserung der Stände... Ich bleibe dabei: Unser Ziel, doch noch den achten Platz, also das Erreichen des olympischen Mannschaftsfinals zu schaffen, das haben ich und unsere Jungs nicht aufgegeben. Alles hängt aber dann sehr von der tatsächlichen Tagesform ab.!

Deutsche Jungs turnen voll für Ronny Ziesmer!
"Auf diesem Wege: Ein herzlicher Gruß an Ronny Ziesmer im Berliner Krankenbett: Die ganze Mannschaft versteht hier ihren Auftritt ganz im Sinne seines Auftrages und turnt voll für ihn!"
Am Donnerstag steht natürlich für das gesamte Team weiteres Training an: konzentriert wird sich vor allem auf Feinschliff und die Optimierung der Abgänge und Stände.
(source: gymmedia)
nun wird es langsam ernst
Juckel in Athen auf dem Podium
11.08.04
Für den Cottbuser Turner Robert Juckel wird es heute bei den Olympischen Spielen in Athen das erste Mal ernst. Mit den Teamkollegen der Nationalmannschaft absolviert er ein sogenanntes Podiumstraining. Das ist die Generalprobe für den samstäglichen Wettkampf.
"Es wird langsam Zeit" so Juckel, "Wir wollen endlich wissen, wofür wir so ewig lang und hart trainiert haben".
Am Samstag wird es dann endgültig ernst: Die Qualifikation steht auf dem Programm... eigentlich der wichtigste Wettkampf ! Hier will sich das deutsche Team für das Final der letzten 8 Mannschaften qualifizieren. "Dies wird nach Ronny's Ausfall unglaublich schwer, doch wir werden alles geben und kämpfen bis zum umfallen" sagt Juckel, mit dem Hinweis auf Ronny's Botschaft an sein Team ! Sollte es für die DTB-Auswahl nicht laufen, sich die Verbesserung um 4 Plätze zur letzten Weltmeisterschaft nicht einstellen können, dann wären die Olympischen Spiele für Robert schon am Samstag vorbei, denn weitere Finalchancen sind einfach unwahrscheinlich.
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