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Kopien einer Katastrophe Vor gut einem Jahr verletzte sich der Turner Ronny Ziesmer im Training so schwer, dass er seitdem im Rollstuhl sitzt |
25.08.05 Und wieder senkt sich das Licht der Kamera auf den jungen Mann im Rollstuhl. Vor dem grellen Scheinwerfer bleibt nichts im Verborgenen, keine Falte, kein Blinzeln, nicht mal ein unbedeutendes Stirnrunzeln.
Er redet, freundlich, geduldig, wie man ihn kennt. Beantwortet Fragen, die er schon vor Monaten beantwortet hat, wieder und wieder. Dann schweigt er, dreht sich, wendet sich, wie es sich der Fernsehreporter wünscht. Ronny Ziesmer war Leistungssportler, einer der besten deutschen Turner. Bis er vor 13 Monaten bei einem Sprung stürzte und unheilbare Halswirbelverletzungen erlitt. Den Sport musste er aufgeben, aber Leistung bringt er noch immer.
Fünf Kamerateams sind an diesem Dienstag gekommen, 20 Journalisten und ein Dutzend Ehrengäste. Sie alle stehen in der Turnhalle des Bundesleistungszentrums in Kienbaum, im Osten Berlins, dort, wo sich der Unfall am 14. Juli 2004 ereignet hatte.
Sie alle kennen die Geschichte des 26-Jährigen: den tragischen Sturz, die zehnmonatige Leidenszeit im Krankenhaus, die zaghaften Fortschritte und die gefeierte Rückkehr in die Öffentlichkeit.
Und trotzdem muss Ziesmer seine Erinnerungen schildern, dutzendfach. Hunderte Medienanfragen sind bei seinem Berater Eckhard Herholz eingegangen. Viele wollten den Jahrestag des Unglücks begehen. Doch Herholz platzierte den Termin bewusst etwas später, um in die Zukunft zu verweisen. Ziesmer muss viel zurückschauen, um ein bisschen nach vorn blicken zu dürfen. Er betrachtet das Ende seines ersten Lebens sachlich und distanziert.
Er hat die Mechanismen der Medienwelt verinnerlicht - mit Hilfe seines Beraters: "Ohne Unterstützung hätten sie mir schon im Krankenhaus die Bude eingerannt", sagt Ziesmer. Also gibt er den Katastrophen-Berichterstatter. So zieht er Aufmerksamkeit auf sich, vor allem die des herzschmerzsüchtigen Boulevards, und gibt sie an jene weiter, denen er helfen möchte.
Er will ein globales Netzwerk von Geschädigten und Unterstützern knüpfen mit dem pathetischen Titel: "Allianz der Hoffnung". Während der Pressekonferenz in Kienbaum wird er auf dem Podium von Gästen aus ganz Deutschland flankiert. Zum Beispiel von Herbert Tröscher, dem Gründer der Neuraxo Biotec GmbH in Düsseldorf. Das Unternehmen arbeitet an der Entwicklung eines Medikaments zur Behandlung von Querschnittsgelähmten. Noch fehlen 2,5 Millionen Euro Eigenkapital, um die ersehnte Marktreife zu forcieren. Jahrelang bemühte sich Tröscher um Investoren. "Diese Behandlung könnte tausenden Menschen helfen", sagt er und ergänzt: "Sie würde den Wissenschaftsstandort Deutschland stärken und Arbeitsplätze schaffen." Klingt nach viel Verantwortung? Ronny Ziesmer will sie auf sich nehmen, dafür beantwortet er auch die dümmsten Fragen zehnmal pro Stunde. Er möchte Sensibilität für diese Branche schaffen. Ihm wird das leichter fallen als Marketingstrategen. Er spricht nicht von Aufbruch, er erwirkt ihn.
Besuche bei Kanzler Schröder und CDU-Politiker Schäuble hat er hinter sich. In Kienbaum nahm er an einem Workshop für Rollstuhlfahrer teil. Mit dem so genannten Handbike möchte er in ferner Zukunft an den Paralympics teilnehmen. Er hat seine eigene Wohnung in der Cottbuser Innenstadt bezogen, will demnächst ein umgebautes Auto steuern und im Herbst ein Studium der Biotechnologie in Senftenberg beginnen.
Selbst die Gesundheitsministerin Brandenburgs, Dagmar Ziegler, ist in Kienbaum, bedankt sich artig für den Tatendrang des prominenten Patienten und berichtet von den Problemen ihres Ressorts. Eine solche Plattform wird ihr selten geboten.
Ziesmer hat eine Minderheit ins Rampenlicht gerückt und ist zum Aufklärer für rund 170.000 Querschnittgelähmte in Deutschland geworden. "Für unsere Zunft ist er ein Glücksfall", sagt Heinrich Köberle, vierfacher Paralympics-Sieger in der Leichtathletik: "Er ist ein Kämpfer."
Die Grenze zum Marketing ist nicht mehr weit. Ziesmer kann wenig dafür. Er will die Öffentlichkeit nicht meiden, denn er hat große Pläne. Die Konsequenz: mediales Mitleid.
Darauf hätte Ziesmer schon Minuten nach seinem Sturz verzichten können. Als er vor zwei Jahren deutscher Mehrkampfmeister wurde, hatte kein Kameralicht sein Gesicht angestrahlt, die Meldungen in den Zeitungen hätte er nicht mal mit einer Lupe entdeckt.
Nun hat er durch die Behinderung eine Bekanntheit erlangt, die ihm keine olympische Goldmedaille hätte bescheren können. Das Pressearchiv wächst, Artikel mit großen Buchstaben und Mitschnitte von Fernsehreportagen gehen täglich ein. Namhafte Entscheidungsträger bitten um seine Hilfe. Vor dem Unfall kannten sie nicht mal seinen Namen.
Mit diesem Paradoxon hat Ziesmer sich arrangiert: "Es ist ein komisches Gefühl. Aber ich empfinde diese Termine als positiven Stress."
Man möchte ihm das glauben. Doch wer ihn in der Sporthalle beobachtet, der sieht, dass ihm die Presseversorgung nicht nur Spaß bringt.
Manchmal atmet er tief durch, hebt beide Augenbrauen, dann verschwindet das Lächeln für einen Moment.
Andreas Hirsch, der Bundestrainer des Turner-Bundes, kann das nachvollziehen. Auch er muss viele Interviews geben. So viele Journalisten hatte er noch nie in der Halle. Er möchte nicht missverstanden werden, die Persönlichkeit Ziesmers hat sein Leben bereichert, doch er sagt auch: "Wir stehen hier nur im Hintergrund und werden begafft wie die Affen im Zoo."
Die Leitfigur seiner Sportart ist dem Sport längst verloren gegangen. Das weiß er, das hat er akzeptiert. Verstanden hat er es nicht.
(taz) |
Deutsche Meisterschaften im Turnen ... und ZDF-Show „Das große Prominenten-Turnen“ - Profis und Promis zum Anfassen |
23.05.06 Genau ein Jahr vor der Turn-WM Stuttgart 2007 treffen sich Deutschlands beste Turner in Stuttgart zu den Deutschen Meisterschaften. Vom 1. - 3. September tragen die DTB-Athleten erstmals in der neuen Porsche-Arena ihre Titelkämpfe aus. Die Meisterschaft ist zugleich Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Dänemark. Neben den nationalen Top-Turnern gehen auch Promis an die Geräte: Am Freitag, 01.09. produziert das ZDF „Das große Prominenten-Turnen mit Johannes B. Kerner“.
Deutschlands Turner Nummer Eins, Fabian Hambüchen (TSG Niedergirmes), geht bei den DM als vierfacher Titelverteidiger in den Wettbewerb. Doch seine Mitstreiter aus der Nationalmannschaft, allen voran Thomas Andergassen (MTV Stuttgart) und EM-Silbermedaillengewinner Eugen Spiridonov (TV Bous), werden alles daran setzen, dem jungen Wetzlarer möglichst viele Medaillen streitig zu machen.
Wie bei den Männern, so zählt auch bei den Frauen der Wettkampf als Qualifikation für die Weltmeisterschaft in Dänemark (16. - 22.10.). Die Berlinern Katja Abel (SC Berlin) möchte nach ihrem tollen Comeback beim Weltcup in Cottbus und ihrem sensationellen Medaillen-Auftritt bei der EM in Griechenland einen weiteren Schritt nach vorne tätigen und in Stuttgart den ein oder anderen Titel einsammeln. Daria Bijak (TTT Köln) wird versuchen, das zu verhindern. Schließlich ist die 20-jährige Kölnerin dreifache Titelträgerin des Jahres 2005. Vor allem im Mehrkampf zeichnet sich zwischen den beiden besten deutschen Turnerinnen ein heißes Rennen ab.
Beim „Großen Prominenten-Turnen mit Johannes B. Kerner“ gehen bereits am Freitagabend die Promis an die Geräte. In ihrem nicht ganz ernst zu nehmenden Mehrkampf wird an Barren und Balken geturnt. In luftige Höhen wagen sich die Prominenten dann auch auf das Trampolin. Geschicklichkeit und Eleganz sind bei einer Bodengestaltung in der Rhythmischen Sportgymnastik und beim Rhönradturnen zu beweisen.
(dtb) |
Der FC Energie Cottbus in der 1. Liga Die herzlichsten Glückwünsche vom SCC |
15.05.06 Liebe Sportfreunde,
nachdem auch die Turner die Finger wieder frei haben vom Daumendrücken für Euren Aufstieg in die 1. Bundesliga, möchten wir alle, die Turner, Trainer und Mitarbeiter des SC Cottbus Turnen e.V. Euch recht herzlich in der Erstklassigkeit begrüßen und zu diesem grandiosen Erfolg beglückwünschen.
Für den Start und vor allem den Verbleib im Oberhaus des deutschen Fußballs die besten Wünsche, verletzungsfreie Spiele und weiterhin einen so erfrischenden Lausitzer Fußball.
(scc) |
Boy und Co. "zahlen Lehrgeld" Zweite Reihe der deutschen Turnerriege ohne Glanz |
14.05.06 Die zweite Reihe der deutschen Turner-Riege hat sich beim Weltcup-Turnier in Gent/Belgien glanzlos präsentiert.
Sechs Tage nach dem Ende der Europameisterschaften im griechischen Volos konnte sich lediglich Marcel Nguyen (Unterhaching) am Barren in die Nähe eines Endkampfes turnen. Mit 14,150 Punkten verpasste der WM-Sechzehnte von Melbourne jedoch den Einzug in das Barren-Finale als Neunter knapp. Der Stuttgarter Thomas Taranu belegte Platz elf an den Ringen (14,000).
Der Cottbuser Philipp Boy konnte am selben Gerät (16./14,450) der internationalen Konkurrenz ebenso wenig das Wasser reichen wie der Chemnitzer Newcomer Marek Schmidt am Seitpferd (21./13,250). |
Juckel tankt in Cottbus Kraft nach Europameisterschaften Cottbuser konzentriert sich jetzt auf die WM |
12.05.06 Turner Robert Juckel vom SC Cottbus hat die durchwachsenen Europameisterschaften im griechischen Volos abgehakt und hält sich in seiner Heimatstadt Cottbus auf, um bei Familie und Freunden abzuschalten und für die nächsten wichtigen Aufgaben neue Kraft zu tanken.
Der 24-Jährige war mit der Riege des Deutschen Turner-Bundes (DTB) im Team-Wettbewerb überraschend nur auf Platz sieben gelandet. Zudem hatte er am Pauschenpferd Rang acht erreicht und eine bessere Platzierung in seinem ersten EM-Finale nur durch einen verpatzten Abgang vergeben.
«Da war mehr drin» , so ein enttäuschter Robert Juckel gegenüber der RUNDSCHAU, «zumal ich eigentlich in guter Verfassung war» . Eine Unachtsamkeit sei die Ursache für den Fehler im Finale gewesen.
Jetzt richtet der Wahl-Stuttgarter seine volle Konzentration auf die Weltmeisterschaften, die vom 14. bis 22. Oktober im dänischen Aarhus ausgetragen werden. Die erste Qualifikation für die Titelkämpfe findet bereits Mitte August statt, die zweite im Rahmen der Deutschen Meisterschaften Anfang September in Stuttgart.
Dort geht es um einen der heiß begehrten Plätze im sechsköpfigen WM-Team von Bundestrainer Andreas Hirsch. «Das wird nicht einfach für mich» , schätzt der Cottbuser und will daran arbeiten, stabiler zu turnen. Nach dem Urlaub in heimischen Gefilden steht für Robert Juckel als nächstes ein Auftakt-Lehrgang im Bundesleistungszentrum Kienbaum an.
(lr-online.de) |
Philipp Boy zum Weltcup nach Gent Erster internationaler Einsatz im Elitebereich |
10.05.06 Nur wenige Tage nach den Europameisterschaften treten Deutschlands Turner auf der Worldcup Bühne an. Zwar nicht mit den großen Stars wie Hambüchen und Abel, dafür aber mit hoffnungsvollen Nachwuchskräften reisen die DTB-Athleten ins belgische Gent.
Cheftrainer Andreas Hirsch gibt dort Philipp Boy (SC Cottbus), Thomas Taranu (KTV Straubenhardt), Marcel Nguyen (TSV Unterhaching) und Marek Schmidt (KTV Chemnitz) Gelegenheit, sich international zu profilieren.
Hoch motiviert durch den Erfolg des frisch-gebackenen Junioren-Europameisters Steve Woitalla, der ebenfalls aus seinem Lausitzer Club kommt, will sich Philipp aber selbst nicht unter Druck setzen:
"... das geht dann meistens schief, ich will erst mal Kontakt zum Seniorenbereich herstellen, denn das ist hier mein allererster Wettkampf im Elitebereich!"
Trotz dieser Weltcup-Premiere gehörte Philipp Boy in den letzten Jahren nicht nur zu deutschlands besten Junioren, sondern ist auch international bekannt:
In Australien und in Japan rangierte er unlängst ganz vorn bei hochklassig besetzten Turnieren, und vor zwei Jahren gehörte er dem Bronze-Team der letzten JEM in Ljubljana 2004 an:
"Ich hätte nie geglaubt, dass das zu toppen gewesen wäre... dass die Jungs jetzt in Volos besser als die Russen waren - unglaublich! Meinen Glückwunsch!"
In den Notizblöcken der internationalen Fachwelt steht der Cottbuser spätestens seit September 2005, als er in Yokohama Mehrkampf-Fünfter bei stärkster Konkurrenz war und in allen Finals stand!
(gymmedia)
Alle Infos zu diesem Weltcup: GENT 2006 (Link) |
Herzlicher Empfang unserer erfolgreichen EM und JEM Teilnehmer
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09.05.06 Im Rahmen des traditionellen Vereinsmeetings bereiteten die Mitglieder des SC Cottbus Turnen e.V. und Vertreter des LSB der Stadt Cottbus, des OSP Cottbus-Frankfurt/O. und des Präsidiums des Vereins den erfolgreichen EM und JEM Teilnehmern Robert Juckel und Steve Woitalla sowie ihren Trainern, die sie auf diesem Weg begleiteten, einen herzlichen Empfang.
Im Mittelpunkt hierbei stand natürlich der frischgebackene JEM Medaillengewinner Steve Woitalla, der gleichzeitig erfolgreichster Teilnehmer der europäischen Titelkämpfe gewesen ist. (2 Gold, eine Silber und eine Bronzemedaille)
Desweiteren wurden die Erfolge der Trampolinturner bei den diesjährigen nationalen Meisterschaften gewürdigt und mit Lisa Kroll (Silber DMT) und Christin Kaiser (Bronze Synchron) errangen erstmals Trampolinturnerinnen des Vereins Meisterschaftsmedaillen.
Zum Schluß des Meetings wurde den Teilnehmern für kommenden internationalen und nationalen Höhepunkten
alles Gute gewünscht und gleichzeitig eine Leistungszielstellung formuliert.
(scc) |
Kollektiver Black-out am Reck Die deutsche Männerriege belegt bei der Kunstturn-EM nur Platz 7, wähnt sich aber dennoch auf einem guten Weg |
08.05.06 Andreas Hirsch (Foto) rechnete und rechnete. Der Cheftrainer der deutschen Kunstturner verbiss sich förmlich ins Wettkampfprotokoll - während beim deutschen Abend in einer gemütlichen Hafenkneipe von Volos schon wieder gelacht und gescherzt wurde. Zum Lachen war dem ehrgeizigen Berliner trotz aller Rechenspiele nicht mehr zumute an diesem griechischen Abend. So viel er nämlich auch rechnete, seine Riege blieb auf dem siebten Platz des Teamfinals bei der Europameisterschaft hängen, was eine gehörige Enttäuschung war für Bundestrainer Hirsch und sein Gefolge.
Platz sieben nach Rang sechs in der Qualifikation, nach Platz sechs bei der Europa-Meisterschaft vor zwei Jahren. Es war die schlechteste Platzierung einer deutschen Riege, seit es diesen Wettbewerb gibt. Das sind die Fakten. Aber schnell entspann sich eine heftige Diskussion darüber, ob dieses Resultat ein großer, ein kleiner oder überhaupt ein Rückschlag für das deutsche Männerturnen sei. Schließlich sah sich sogar Rainer Brechtken, der Präsident des Deutschen Turnerbundes (DTB) genötigt, den Verantwortlichen den Rücken zu stärken. "Dieses Team ist auf einem guten Weg in Richtung Peking, ich stehe weiterhin voll hinter seiner Leitung", sagte Brechtken. Meistens ist es ja kein besonders gutes Zeichen, wenn Präsidenten solche Formulierungen gebrauchen.
Dass dieser siebte Platz so schwer einzuschätzen ist, daran war einzig ein Black-out am Reck schuld: Zuerst musste Robert Juckel (Cottbus) bei einem Allerweltsflugteil (Markelov) gleich zweimal vom Gerät, dann verfehlte auch noch Europameister Fabian Hambüchen (Wetzlar) beim Katchov die Stange - Teile, die die Athleten normalerweise im Schlaf beherrschen. Fast drei Punkte büßten die Deutschen damit ein. Mit diesen drei Punkten wären sie sogar in Medaillennähe gekommen, so stand der bittere siebte Platz auf dem Protokoll. Cheftrainer Hirsch mühte sich nach Kräften, die einzelnen Turner aus der Schusslinie zu nehmen. "Wir sind hier als Mannschaft angetreten, wir gewinnen und verlieren hier als Mannschaft", sagte er. Allerdings räumte er auch ein, noch in der Halle laut geworden zu sein. "So verlassen wir die Halle jetzt nicht!", hatte Hirsch seine Athleten angemeiert. Worauf die am Boden eine Trotzreaktion zeigten. Ein Beleg für Hirsch, dass sein Team funktioniert.
Hirsch hat die Punktzahlen richtig berechnet, theoretisch hätten die deutschen Turner Bronze gewinnen können. Ein Punkt stach in Volos freilich ins Auge: Wenn es darauf ankommt, haben die deutschen Turner ihre Nerven nicht im Griff - und greifen daneben. Europameister Hambüchen verpasste bereits in der Qualifikation die Titelverteidigung am Reck und stürzte am Boden.
Thomas Andergassen (Stuttgart) erreichte das Pauschenpferdfinale nicht, obwohl die Medaillenchancen in diesem Jahr so groß wie nie zuvor waren. Und jetzt zeigte auch noch das Team eine unerklärliche Nervenschwäche. "Es ist ein Konflikt entstanden zwischen Stabilität und Risikobereitschaft", räumte Hirsch immerhin ein.
Ein weiteres Beispiel fehlender Balance lieferten der Cottbuser Robert Juckel am Seitpferd und Thomas Andergassen aus Stuttgart an den Ringen: Beide patzten und wurden in den Gerätefinals jeweils nur Achte. Wie es anders geht, demonstrierte nur Eugen Spiridonow aus Bous im Saarland: Der gebürtige Russe gewann am Sonntag vollkommen überraschend Silber am Seitpferd hinter dem Rumänen Flavius Koczi. Und Fabian Hambüchen wurde immerhin Fünfter im Sprung.
Bleibt trotzdem die Frage, ob das Resultat der Riege ein Rückschlag für das deutsche Männerturnen war oder nicht. Und da hätten die DTB-Verantwortlichen am emotionalen Abend vor den Gerätefinals genügend Argumente gehabt. Denn trotz des großen Nervenflatterns wurden immerhin fünf davon erreicht - so viel wie nie zuvor. Zudem hatten die deutschen Junioren am Vorabend des deutschen Absturzes am Reck etwas geschafft, was noch nie eine deutsche Nachwuchsriege erreicht hatte: In einem Herzschlagfinale flogen sie am letzten Gerät förmlich an den favorisierten Russen und Ukrainern vorbei und wurden Europameister - die Basis für die nächsten Jahre ist also da. Irgendwie passend war allerdings, dass dieses letzte Gerät bei den Junioren ausgerechnet das Reck war.
(taz) |
Spiridonov-Silber rettet deutsche EM-Bilanz Juckel nach Fehler 8. am Pferd |
08.05.06 Erst sank er auf die Knie, dann sprang er aufs falsche Treppchen: Eugen Spiridonov hat Fabian Hambüchen die Schau gestohlen und die deutsche Bilanz bei der Turn-EM im griechischen Volos gerettet.
Mit seiner völlig überraschenden Silbermedaille am Seitpferd sorgte der 24-jährige Sportsoldat aus dem Saarland nach dem Reck-Sturz von Hambüchen und der Enttäuschung der Riege im Team-Finale wieder für strahlende Gesichter im deutschen Lager.
"Eigentlich wollte ich nur ins Finale, aber als den anderen Fehler unterliefen, wusste ich: Komm' durch und du hast Bronze", meinte der aus dem russischen Tscheljabinsk stammende und seit 2001 in Deutschland lebende Spiridonov. Bis zur Siegerehrung hatte ihm auch niemand mitgeteilt, dass Titelverteidiger Krisztian Berki (Ungarn) um 0,2 Punkte abgestuft wurde und damit sogar Silber heraussprang. "Als mir dann jemand sagte, du musst auf die andere Seite des Siegerpodests, wusste ich gar nicht mehr, was los war", schilderte er die glücklichsten Minuten seiner Karriere. "Tausend Mal habe ich diese Übung in Kienbaum geturnt. Jetzt hat sich die Arbeit gelohnt", sagte der Athlet vom TV Bous.
Der sonstige "Leitwolf" Fabian Hambüchen hingegen durchschritt im ein Wellenmeer der Gefühle. Zwar reichte es im Sprung-Finale mit Platz fünf nicht zur Medaille, doch stand der Jungstar sauber seine beiden Sprünge (16,187). Auch die für seine Verhältnisse perfekte Barren-Übung (15,250/7.) verschaffte ihm trotz seiner Patzer am Reck Rückenwind auf dem Weg zu einem erstklassigen Mehrkampf bei den Weltmeisterschaften im Oktober im dänischen Aarhus. Thomas Andergassen (Stuttgart) hatte mit seinem Ausgangswert von 5,90 gegen die Ringe-Spezialisten keine Chance und wurde ebenso Achter wie der Cottbuser Robert Juckel am Seitpferd.
(dpa) |
Schiffbruch für deutsche Senioren-Riege: EM-Siebter Junioren überraschen |
07.05.06 Bauchlandung für Fabian Hambüchen, Reck-Pleite für das Team: In der griechischen Hafenstadt Volos haben die deutschen Turner im Mannschafts-Wettbewerb der Europameisterschaften Schiffbruch erlitten.
Einen Tag nach dem überraschenden ersten EM-Titel des Junioren-Teams mussten die deutschen Männer vor allem wegen eines völlig verpatzten Reck-Auftritts mit Rang sieben ihre schlechteste Platzierung seit Einführung der Mannschaftswertung 1994 quittieren.
"Natürlich habe ich Mist gebaut. Aber es braucht seine Zeit, bis ich eine so hochkarätige Übung stabil durchturnen kann", meinte Titelverteidiger Hambüchen. Ausgerechnet der "Leitwolf" verfehlte beim gestreckten Tkatschew-Flieger die Reckstange und klatschte auf den Bauch. Dabei hatte er sich gerade im Team-Finale vorgenommen, es den Konkurrenten noch einmal zu zeigen, nachdem er in der Qualifikation mit einem Sturz beim Abgang alle Chancen auf den erneuten Reck-Titel eingebüßt hatte. "Eigentlich bin ich aber gar nicht so sauer, denn ich weiß, Volos ist nur eine Durchgangsstation auf dem Weg nach Peking", meinte der 18-jährige Gymnasiast.
Zuvor hatte am deutschen Paradegerät auch der Cottbuser Robert Juckel beim Adler-Salto gleich zwei Mal unfreiwillig absteigen müssen. Damit fehlten dem Team am "Königsgerät" mehr als drei Punkte, mit denen die Deutschen sogar um Bronze hätten mitkämpfen können. "Ich werde doch jetzt nicht einen Athleten niedermachen. Ich stärke den Jungs den Rücken, weil ich weiß, dass sie es drauf haben", reagierte Cheftrainer Andreas Hirsch. Er erkannte an, dass gerade die "Absteiger" Hambüchen und Juckel Minuten später am Boden nicht den "Kopf in den Sand gesteckt und sich hervorragend präsentiert" haben. Unmittelbar nach dem Reck-Ärger hatte er nur noch dem Team-Arzt zugeraunt: "Jetzt brauch' ich ein Bier und einen Schnaps."
Nicht zufrieden war auch Turn-Präsident Rainer Brechtken. "Ich will nichts schön reden. Wir haben eine Niederlage erlitten", meinte der DTB-Chef und gab zu: "Insgeheim habe ich auf Platz vier gehofft. Aber die Titelkämpfe haben auch gezeigt, dass wir ein großes Potenzial haben." Dabei bezog er sich vor allem auf das Junioren- Team, das völlig unerwartet im Mannschaftskampf den Top-Favoriten Russland bezwang. Das Abschneiden der jungen Garde verbreitete auf jeden Fall Hoffnung für die Olympischen Spiele in zwei Jahren in Peking.
Gut verkaufte sich das Männer-Team vor allem am Seitpferd, obwohl am Ende weniger Punkte zu Buche standen als noch zwei Tage zuvor in der Qualifikation. Am "Zittergerät" wurde die Höchstpunktzahl aller Teams eingefahren. Barren und Boden (jeweils 4.) liefen ansprechend, Nachholbedarf gibt es weiter an den Ringen und beim Sprung (jeweils 7.). Am Reck blieb nach der Pleitenserie nur der letzte Platz.
2000 Zuschauer im fast ausverkauften Nea Ionia Sport Complex erlebten ein Comeback der Russen, die nach sechs Jahren die Krone zurückeroberten. Mit 272,225 Punkten verhinderten sie souverän den "Hattrick" von Titelverteidiger Rumänien (270,325), der überraschend schon in der Qualifikation fast gestrauchelt wäre.
Eine erstklassige Vorstellung lieferten die deutschen Junioren mit dem Gewinn von weiteren zwei Titeln in Gerätefinals ab. Am Reck erkämpfte der Chemnitzer Max Finzel mit einer blitzsauberen Übung die Goldmedaille (14,975). Den Titel am Barren sicherte sich der Cottbuser Steve Woitalla (14,775), der zudem auch Silber am Boden und Bronze an den Ringen gewann. Damit ist der Lausitzer der erfolgreichste Turner der Titelkämpfe und trat in die Fußstapfen von Fabian Hambüchen, der vor zwei Jahren mit drei Titeln bei der Junioren-EM dominiert hatte.
(dpa) |
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SCC-AKTUELL
Kinder stark machen:
"Turnen ist in"
Die Turn-Talentschule Lausitz: eine Initiative von T.I.C. und dem SC Cottbus Turnen e.V.
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Wir stehen für einen sauberen Sport!
Für einen fairen Wettkampf, in dem der Beste gewinnt und der Verlierer die Leistung seines Bezwingers respektiert.
NADA - Nationale Antidoping Agentur |